· Rumtoo Prozess-Team · Technischer Leitfaden · 2 Min. Lesezeit
Big-Bag-Schredder vs. Folienschredder: Wichtige Unterschiede und die richtige Maschinenwahl
FIBC-Big-Bags und PE-Folie sehen ähnlich aus – beides sind flexible Kunststoffe. Dennoch erfordern sie völlig unterschiedliche Schredder-Konfigurationen. Dieser Leitfaden erklärt die Konstruktionsunterschiede.

Ein Recyclingunternehmen in den Niederlanden kontaktierte uns nach einem gescheiterten Anlagenkauf. Sie hatten einen Standard-PE-Folienschredder gekauft, um gebrauchte FIBC-Big-Bags (1-Tonnen-Gewebe-Polypropylen-Säcke) zu verarbeiten. Die Maschine blockierte bereits in der ersten Schicht. Die Säcke bildeten Brücken im Trichter, der Rotor rutschte auf der glatten Gewebeoberfläche durch, und die Anti-Wickel-Sensoren lösten ständig Notstopps aus. Innerhalb von drei Wochen tauschten sie den Folienschredder gegen einen Big-Bag-Schredder aus, der speziell für FIBC konfiguriert war. Der Durchsatz stieg von nahezu null auf 800 kg/h.
Die Annahme, die das Problem verursachte, war so einfach wie falsch: Flexible Kunststoffsäcke lassen sich alle auf dieselbe Weise schreddern. Ein 1-Tonnen-FIBC-Gewebe-Sack und ein Ballen PE-Stretchfolie sind so unterschiedlich wie ein Stahlträger und Alufolie.
Warum sich FIBC-Big-Bags von PE-Folie unterscheiden
FIBC-Big-Bags im Fokus
Ein FIBC (Flexible Intermediate Bulk Container) – auch Big Bag genannt – besteht aus gewebten Polypropylen-Bändern.
- Traglast: Oft 1.000–1.500 kg; der leere Sack wiegt 2–6 kg.
- Konstruktion: Gewebte, reißfeste PP-Bänder, oft mit Innenauskleidung.
- Rückstände: Enthält sehr oft Pulver, Granulat oder Anhaftungen vom ursprünglichen Inhalt (Dünger, Zement, Chemie).
PE-Folie im Fokus
PE-Folie ist extrudierte thermoplastische Folie (Stretch-, Agrarfolie).
- Struktur: Durchgehendes, dünnes Material (30–200 Mikrometer).
- Rückstände: Schmutz oder Feuchtigkeit, aber keine schweren, dichten Pulver.
Folienschredder-Konstruktion (und warum sie bei Big Bags scheitert)
Ein PE/PP-Folienschredder ist genau für eine Herausforderung konzipiert: Zu verhindern, dass sich dünne Folien um den Rotor wickeln.
Einwellenrotor mit Anti-Wickel-Design: Eng anliegende Messer verarbeiten die flexibel einsinkende Folie. Hydraulischer Schieber: Ist für Ballendichten ausgelegt, nicht für leere, in sich stabile Gewebesäcke mit starkem Volumen.
Fehler bei der Big-Bag-Verarbeitung:
- Brückenbildung: Der Sack ist steif genug, um sich im Trichter zu verklemmen.
- Rotorschlupf: Die glatte PP-Gewebe-Oberfläche rutscht, der Einwellenrotor greift nicht aggressiv ein.
- Reststoff-Kontamination: Es gibt keine Trennstufe für das pulverförmige Restmaterial, das sich nun direkt mit dem Kunststoff-Rezyklat vermischt.
Der richtige Big-Bag-Schredder (FIBC-Konfiguration)
Ein spezieller Big-Bag-Schredder ist darauf ausgelegt, sperrige, gewebte Großsäcke mit anhaftendem Material zu bewältigen.
Breiter Einfülltrichter (Wide-Mouth): Trichterweiten von 1.200 bis 2.000 mm eliminieren die Brückenbildung für komplette Sack-Abmessungen. Zweiwellen-Gegenlauf-Konstruktion: Zwei entgegengesetzt drehende Antriebswellen greifen die Säcke von beiden Seiten, ziehen sie unnachgiebig ein und zerschneiden sie. Verschleiß und Schlupf werden dramatisch minimiert. Integrierte Rückstandabscheidung: Eine nachgelagerte Siebtrommel oder ein Zyklon trennen das störende Füllgutpulver sofort in einem Zwischenschritt von den PP-Streifen. Das schützt die nachfolgende Waschanlage.
Wenn Sie kleinere 25-kg- oder 50-kg-PP-Gewebesäcke schreddern wollen, reicht oftmals ein adaptierter Folienschredder. Verarbeiten Sie jedoch Großmengen an 1-Tonnen-FIBC-Material, ist der Schritt zu maßgeschneiderter Zweiwellen-Technologie unumgänglich für einen rentablen und reibungslosen Betriebsablauf.
Weitere Informationen zu unseren Systemen:
- Zerkleinerung
- Big Bag
- FIBC
- Folienrecycling
- Prozessauslegung




