· Rumtoo Engineering Team · Einkaufsführer · 7 Min. Lesezeit
Windsichter für das Recycling: Typen, Anwendungen und Kaufratgeber
Ein Windsichter trennt Recyclingmaterial im Luftstrom nach Gewicht — Folien von Flakes, Staub von Mahlgut, Etiketten von Flaschenchips. Dieser Leitfaden vergleicht die Haupttypen (Zick-Zack-Sichter, Querstromsichter, Trommelwindsichter, Vertikalsichter), zeigt die Eignung der Materialien und erklärt die Auslegung inklusive Entstaubungsanlage.

Ein Windsichter für das Recycling trennt Materialien basierend auf ihrem Verhalten in einem bewegten Luftstrom: Schwere Partikel fallen nach unten durch, während leichte Partikel vom Luftstrom mitgerissen und ausgetragen werden. Dieser einfache Mechanismus entfernt Folien aus Hartkunststoff-Flakes, Staub aus Mahlgut, Etikettenreste aus Flaschenchips sowie Schaumstoff aus zerkleinerten Abfällen — kostengünstig und kontinuierlich, ganz ohne Wasser und ohne Sensoren. Dieser Leitfaden erklärt die Funktionsweise der Windsichtung, vergleicht die wichtigsten Maschinentypen und zeigt, wie Sie das passende System für Ihr Material und Ihre Recyclinglinie auswählen.
Was ist ein Windsichter?
Ein Windsichter ist eine Maschine, die Partikel nach ihrer Sinkgeschwindigkeit sortiert — dem Gleichgewicht zwischen dem Gewicht des Partikels und dem Luftwiderstand, den die Luft auf ihn ausübt. Das Aufgabematerial tritt in einen Luftstrom ein; Partikel, die schwerer sind als die Tragkraft des Luftstroms, fallen nach unten und treten als Schwergut-Fraktion aus. Leichtere Partikel werden hingegen von der Luft angehoben und als Leichtgut-Fraktion gesammelt.
Die Eigenschaft, nach der sortiert wird, ist nicht allein die Dichte und auch nicht allein die Größe — es ist die Kombination aus Gewicht, Form und Oberfläche. Ein flaches Folienstück und ein kompaktes Hartkunststoff-Flake können exakt dasselbe Gewicht haben, dennoch erfasst der Luftstrom die große Oberfläche der Folie und trägt sie aus, während das kompakte Flake nach unten fällt. Aus diesem Grund ist die Windsichtung die Standardlösung für Folien, Etiketten, Staub, Fasern und Schaumstoffe, die in schwerem Mahlgut eingemischt sind — Störstoffe, die in Trennbehältern (Schwimm-Sink-Tanks) und Sieben nur schwer abzuscheiden sind.
Je nach Region und Branche wird die Maschine auch als Sichtungsanlage, Luftseparator, Sichter oder Windsichtungsanlage bezeichnet. Das Prinzip ist identisch.
Wo die Windsichtung in einer Recyclinglinie platziert wird
Ein Windsichter ist eine Reinigungsstufe und kein Primärsortierer. Er wird typischerweise an einer von drei Positionen installiert:
- Nach dem Schredder oder der Schneidmühle — um Staub, Feinteile und Folienreste direkt aus dem frischen Mahlgut zu ziehen, bevor der nächste Prozessschritt folgt.
- Nach der Trocknung, vor der Extrusion oder Verpackung — als letzte Feinreinigung, die verbliebene Etiketten- und Folienfragmente aus den gewaschenen Flakes entfernt. Diese Platzierung ist wichtig: Nasse Flakes verkleben miteinander und lassen sich schlecht sichten, weshalb der Sichter hinter dem Zentrifugaltrockner platziert werden sollte.
- In einer Sortieranlage — um leichte Verpackungsfolien frühzeitig von schweren Behältern in einer gemischten Abfalllinie zu trennen.
Die Windsichtung ergänzt andere Trennverfahren, anstatt sie zu ersetzen: Die Dichtetrennung trennt Schwimm- und Sinkfraktionen im Wasser, Magnete und Wirbelstromscheider trennen Metalle, und der Windsichter übernimmt die leichten, flachen Störstoffe mit großer Oberfläche, die von den anderen Systemen nicht erfasst werden. Die genaue Abfolge der Verfahren finden Sie in unserem Leitfaden für Kunststoff-Sortiermethoden.
Die verschiedenen Windsichter-Typen im Vergleich
Vier Bauformen decken fast alle Recyclinganwendungen ab. Sie unterscheiden sich darin, wie oft das Material mit dem Luftstrom in Kontakt kommt — was wiederum die Trennschärfe bestimmt.
| Typ | Funktionsweise | Trennschärfe | Bestens geeignet für |
|---|---|---|---|
| Zick-Zack-Sichter | Das Material rieselt durch einen zickzackförmigen Kanal gegen aufsteigende Luft; jeder Knick ist eine neue Trennstufe. | Höchste | Etiketten-/Folienabscheidung aus Flakes, präzise Leicht-Schwer-Trennung. |
| Querstromsichter | Das Material fällt vertikal durch einen horizontalen Luftstrom; leichtes Material wird seitlich weggeblasen. | Mittel | Durchsatzstarke Folien-/Hartkunststoff-Trennung in Sortieranlagen. |
| Trommelwindsichter | Eine rotierende Trommel wirft das Material wiederholt durch einen Luftstrom. | Mittel | Sperrigen Mischmüll, Bauabfälle, Erfassung von Verpackungsfolien. |
| Vertikalsichter (Steigrohrsichter) | Einfaches Steigrohr mit aufsteigender Luft; Schwergut fällt, Leichtgut steigt auf. | Basis | Staub- und Feinteileentfernung aus Mahlgut. |
Das Zick-Zack-Design ist der Standard im Kunststoff-Recycling: Jeder Knick im Kanal mischt das Material neu und führt es dem Luftstrom erneut zu, sodass ein einzelner Durchlauf durch einen Kanal mit zehn Knicken wie zehn aufeinanderfolgende Trennstufen wirkt. Dies ermöglicht eine so hohe Trennschärfe, dass selbst eine 2%ige Etikettenkontamination aus PET-Flakes zuverlässig entfernt werden kann — eine Aufgabe, an der einfachere Durchlaufsichter scheitern. Einstellwerte zur Luftgeschwindigkeit und Dimensionierung finden Sie in unserem Leitfaden für Zick-Zack-Sichter.
Wichtigste Erkenntnis: Wählen Sie den Typ nach der geforderten Trennschärfe. Für die Entstaubung genügt ein Steigrohr; die Trennung von Folien und Hartkunststoffen in Sortieranlagen gelingt im Querstromsichter; die Etikettenabscheidung nach Reinheitsvorgaben erfordert jedoch einen Zick-Zack-Sichter.
Was ein Windsichter entfernen kann — und was nicht
Die Windsichtung ist in ihrem Spezialgebiet äußerst leistungsfähig, außerhalb davon jedoch wirkungslos. Die Grenzen des Verfahrens zu kennen, verhindert Fehlinvestitionen.
Windsichter entfernen zuverlässig:
- Folien- und Beutelfragmente aus Hartkunststoff-Flakes — die wirtschaftlich wertvollste Anwendung.
- Etikettenreste (Papier und Kunststofffolie) aus Flaschenflakes nach dem Waschen.
- Staub und Feinteile aus Mahlgut vor dem Extrudieren, um die Schmelzequalität zu schützen.
- Schaumstoffe, Fasern und Flusen aus geschredderten Mischabfällen.
Windsichter können nicht:
- Kunststoffarten sortieren. PP-Flakes und PET-Flakes von ähnlicher Größe und Form fallen im Luftstrom mit ähnlicher Geschwindigkeit — diese Trennung erfordert einen Schwimm-Sink-Tank oder sensorbasierte Sortiersysteme.
- Feuchtes, klumpendes Material verarbeiten. Feuchtigkeit verklebt leichte Partikel mit schweren; sichten Sie daher erst nach der Trocknung.
- Zu breite Größenspektren verarbeiten. Ein großes leichtes Partikel und ein kleines schweres Partikel können dieselbe Sinkgeschwindigkeit aufweisen. Sieben oder mahlen Sie das Material vorab auf eine gleichmäßige Größe.
Staubabscheidung: Die oft vergessene Hälfte des Systems
Jeder Windsichter ist nur die halbe Miete — die andere Hälfte besteht aus Ventilator, Zyklon und Filter, die die austretende Luft reinigen. Das Leichtgut verlässt den Sichter mit der Luft, was bedeutet, dass der Luftstrom abgeführt werden muss und dabei Folienreste und Staub mitreißt.
Eine vollständige Installation kombiniert den Sichter mit einem Fliehkraftabscheider (Zyklon), der das Leichtgut aus dem Luftstrom abscheidet und in einen Sammelbehälter leitet, sowie einem Staubfilter (Schlauch- oder Patronenfilter), der den verbleibenden Feinstaub reinigt, bevor die Luft abgelassen oder zurückgeführt wird. Die Unterdimensionierung dieser Seite ist der häufigste Installationsfehler: Der Sichter selbst trennt einwandfrei, aber das Leichtgut staut sich zurück, der Luftstrom bricht ein und die Trenngrenze verschiebt sich.
Achten Sie bei Anfragen darauf, den gesamten Kreislauf — Sichter, Verrohrung, Zyklon, Filter und Ventilator — als Komplettsystem mit einer abgestimmten Luftleistung auszulegen.
Fünf Fragen vor der Anfrage
- Was ist der Störstoff? Folie, Etiketten, Staub, Schaumstoff oder Fasern — und wie hoch ist der prozentuale Anteil im Aufgabegut? Dies bestimmt den Sichtermessertyp und die Stufenanzahl.
- Was ist das Trägermaterial? Flakegröße, Schüttdichte und gewünschte Reinheit der Schwergutfraktion. Hohe Reinheitsanforderungen erfordern meist Zick-Zack-Sichter.
- Ist das Material trocken und klassiert? Wenn nicht, planen Sie vorab Trockner und Sieb ein — kein Sichter funktioniert bei feuchtem oder extrem ungleichmäßigem Material.
- Welcher Durchsatz wird benötigt? Windsichter werden über die Kanalbreite und den Luftvolumenstrom skaliert; nennen Sie kg/h und die tägliche Betriebszeit.
- Wohin soll das Leichtgut gefördert werden? In Big-Bags, Pressen oder direkt auf ein Abfallband? Dies bestimmt die Dimensionierung von Zyklon und Filter.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was macht ein Windsichter im Kunststoff-Recycling?
Ein Windsichter trennt leichte Störstoffe — wie Folien, Etikettenreste, Staub, Fasern — mithilfe eines kontrollierten Luftstroms von schwereren Kunststoff-Flakes oder Mahlgut. Schwere Partikel fallen nach unten, während leichte Partikel seitlich oder nach oben ausgetragen werden, was ohne Wasser und Sensoren zu einem sauberen Produkt führt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Windsichter und einem Luftseparator?
Es gibt keinen funktionalen Unterschied — Windsichter, Luftseparator, Sichter und Windsichtungsanlage beschreiben alle Maschinen, die Materialien im Luftstrom nach Gewicht sortieren. Windsichter ist im europäischen Raum und in der Entsorgungswirtschaft geläufiger, während Luftseparator oder Luftklassierer die allgemeineren Begriffe sind.
Welcher Windsichter-Typ eignet sich am besten für das Recycling?
Für das Kunststoff-Recycling ist der Zick-Zack-Sichter die erste Wahl, da er durch seine mehrstufige Trennung im Zickzack-Kanal die höchste Reinheit erzielt (z.B. Etikettenabscheidung aus PET-Flakes). Einfache Steigrohre eignen sich zur reinen Entstaubung, Querstromsichter für die Grobsortierung in Sortieranlagen.
Kann ein Windsichter verschiedene Kunststoffarten trennen?
Nein. Unterschiedliche Kunststoffe mit ähnlicher Form und Größe fallen im Luftstrom gleich schnell. Der Windsichter trennt nach Gewicht und Form (z.B. Folie von Flakes), nicht nach Polymerart. Die Trennung von PP und PET erfordert Schwimm-Sink-Anlagen oder optische Sortierer.
Benötigt ein Windsichter zwingend ein Filtersystem?
Ja. Da das Leichtgut im Luftstrom ausgetragen wird, muss die Luft über einen Zyklon vom Material getrennt und anschließend gefiltert werden. Ein zu klein dimensionierter Filter ist der häufigste Grund für nachlassende Sichterleistung.
Stimmen Sie die Luft auf Ihr Material ab
Die Windsichtung hat ihren festen Platz in Recyclinglinien, weil sie eine Aufgabe günstig und kontinuierlich löst: Sie zieht leichte, flache Störstoffe mit großer Oberfläche aus schwerem Mahlgut. Wählen Sie den Maschinentyp passend zur geforderten Reinheit, halten Sie das Material trocken und gut klassiert, und betrachten Sie die Entstaubung und Zyklonabscheidung als integralen Bestandteil des Gesamtsystems.
Wenn Sie einen Windsichter auslegen möchten, senden Sie Rumtoo Ihre Materialdaten, die Art der Verunreinigung und den Durchsatz. Wir empfehlen Ihnen die passende Konfiguration — meist einen Zick-Zack-Sichter für die Flakereinigung — inklusive abgestimmtem Zyklon- und Filtersystem. Kontaktieren Sie unser Engineering-Team für eine fundierte Beratung.
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