· Rumtoo Engineering Team · Kaufratgeber  · 3 Min. Lesezeit

Thermotrockner für Kunststoffrecycling: wann er nötig ist und wie man ihn auslegt

Ein Thermotrockner ist die Heißluftstufe, die Flakes unter die Feuchtegrenze bringt, die mechanische Trocknung nicht mehr erreicht. Dieser Leitfaden zeigt, wann eine Recyclinglinie ihn wirklich braucht und wie man ihn aus gemessener Eingangsfeuchte, Durchsatz und Endfeuchte auslegt.

Thermotrockner für Kunststoffrecycling: wann er nötig ist und wie man ihn auslegt

Ein Thermotrockner für Kunststoffrecycling ist die Heißluftstufe, die Restfeuchte verdampft, welche mechanische Entwässerung nicht mehr entfernt. Er nimmt bereits mechanisch getrocknete Flakes, oft bei 1-2 %, und bringt sie auf unter 0,5 % für Food-grade rPET, feuchtesensible Extrusion oder trockene Flakes mit Spezifikation.

Die häufigsten Fehler sind der Kauf ohne echten Bedarf und die Auslegung nur nach kW oder kg/h. Richtig ist: reale Eingangsfeuchte, stabiler Durchsatz und Zielwert.

Brauchen Sie wirklich einen Thermotrockner?

Sie brauchen ihn, wenn die Endfeuchte unter der Grenze mechanischer Trocknung liegt. Ein Zentrifugaltrockner entfernt freies und Oberflächenwasser, endet bei starren Flakes aber oft bei 1-2 %. Wenn Ihr Prozess damit zurechtkommt, bringt die thermische Stufe vor allem Kosten.

Sinnvoll ist sie bei:

  • Food-grade rPET mit Ziel unter 0,5 % vor Extrusion oder SSP.
  • Feiner oder feuchtesensibler Extrusion mit Schlieren, Hohlräumen, Schäumen oder Druckschwankungen.
  • Trockenen Flakes als Verkaufsware mit garantierter Feuchtegrenze.

Bei HDPE oder PP starr in einen entlüfteten Extruder ist sie oft unnötig, wenn 1-2 % reichen. Siehe auch Heißlufttrockner vs. Zentrifugaltrockner.

Kernpunkt: Thermotrocknung ist Politur, keine primäre Entwässerung.

Fünf Eingaben vor der Auslegung

  1. Material und Form: rPET, starre HDPE/PP-Flakes, PP-Gewebe oder Folie.
  2. Eingangsfeuchte nach Entwässerung: gemessen am realen Austrag.
  3. Durchsatz in kg/h: stabiler Produktionswert.
  4. Endfeuchteziel: Spezifikation von Extruder, Pelletierer oder Käufer, mit Prüfverfahren.
  5. Energie und Layout: Strom, Gas oder Thermalöl, Umgebung, Platz und Rohrführung.

Mit diesen Daten wird Auslegung berechenbar.

Schrittweise Auslegung

1. Feuchtelücke berechnen

Eingangsfeuchte minus Ziel. Von 2 % auf 0,5 % entspricht 1,5 Punkten.

2. In Verdampfungslast umrechnen

Mit dem Durchsatz multiplizieren. Bei 1.500 kg/h und 1,5 Punkten: 1.500 × 1,5 % = 22,5 kg Wasser/h. Das ist die zentrale Auslegungsgröße.

3. Wärme auslegen

Verdampfen benötigt etwa 0,63 kWh pro kg Wasser als latente Wärme. 22,5 kg/h brauchen etwa 14 kWh/h, bevor Luft, Flakes und Verluste berücksichtigt sind. Praktisch liegt eine thermische Stufe oft bei ca. 165 kWh pro Tonne.

4. Luft und Verweilzeit auslegen

Wärme allein trocknet nicht. Der Dampf muss mit Luft abgeführt werden. Zu wenig Luft begrenzt den Prozess, zu viel verschwendet Energie. Food-grade rPET oder Material mit großer Oberfläche braucht mehr Kontaktzeit.

5. Eine oder mehrere Heizstufen wählen

Eine Heizstufe passt für moderate Ziele. Mehrere Stufen sind besser für stabile Werte unter 0,5 % oder schwankende Eingangsfeuchte.

Beispiel: 1.500 kg/h Food-grade rPET

EingabeWert
MaterialrPET-Flakes food-grade
Durchsatz1.500 kg/h
Eingangsfeuchte2 %
Ziel0,5 %
Feuchtelücke1,5 Punkte
Verdampfungslast22,5 kg Wasser/h
Latente Wärme~14 kWh/h
Vollstufen-Energie indikativ~165 kWh/t, ~250 kWh/h
KonfigurationMehrstufig

Das ersetzt keine Detailauslegung, gibt aber einen Plausibilitätscheck für Angebote.

Häufige Fehler

  • Nur nach Durchsatz auslegen. Die Feuchtelücke bestimmt die Verdampfungslast.
  • Eingangsfeuchte schätzen. Den realen Austrag von Zentrifuge oder Squeezer messen.
  • Starre Flakes überdimensionieren. HDPE und PP bei 1-2 % brauchen oft keine thermische Stufe.
  • Food-grade rPET unterdimensionieren. Instabil über 0,5 % führt zu Hydrolyse und Ausschuss.

Daten für den Lieferanten

  • Materialtyp und Flakeform
  • Gemessene Feuchte nach Entwässerung
  • Zielwert und Prüfverfahren
  • Stabiler Durchsatz in kg/h
  • Verfügbare Energie und Umgebung
  • Layout, vorgeschaltete Entwässerung und Rohr-/Gebläsegrenzen

Häufige Fragen

Wann braucht man einen Thermotrockner?

Wenn die Endfeuchte unter 1-2 % liegen muss: Food-grade rPET, feuchtesensible Extrusion oder Verkaufsflakes mit garantierter Feuchte.

Wie wird er ausgelegt?

Über die Verdampfungslast: Feuchtelücke mal Durchsatz. Danach werden Wärme, Luft und Verweilzeit festgelegt.

Welche Feuchte erreicht er?

Mechanisch getrocknete Flakes von 1-2 % können auf unter 0,5 % gebracht werden, je nach Material und Konfiguration.

Ersetzt er den Zentrifugaltrockner?

Nein. Der Zentrifugaltrockner entfernt das Hauptwasser, der Thermotrockner poliert die Restfeuchte. Siehe Heißlufttrockner vs. Zentrifugaltrockner.

Wie viel Energie braucht er?

Richtwert ist 165 kWh/t, weil Verdampfung deutlich energieintensiver ist als mechanische Entfernung.

Zusammenfassung

Ein Thermotrockner gehört nur dann in die Linie, wenn das Feuchteziel unter der mechanischen Grenze liegt. Definieren Sie fünf Eingaben, berechnen Sie die Lücke, wandeln Sie sie in kg Wasser/h um und legen Sie Wärme, Luft und Verweilzeit aus. Senden Sie diese Daten an Rumtoo, damit wir prüfen, ob ein Thermotrockner gerechtfertigt ist.

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